»Nichts ist wichtig. Dazu ist die Welt zu groß« Dies ist eine archivierte Version von IT&W aus den Jahren 2002 bis 2006. Das aktuelle IT&W findet sich hier.
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frischer senf
 
IT&W-V08. 9380 Beiträge, 30423 Kommentare, 333 Senfkeller-Mitglieder. Born May 2001, still going strong. © TextLab 2001-06.

::: 26. Juni 2005

 :: The Gentle Giant 

Hawaii, zwei Uhr morgens. Milan Bertosa, ein junger Toningenieur, wartet in seinem Studio auf einen späten Kunden, jemanden mit einem langen Namen mit vielen Vokalen. Milan ist müde und will nach Hause, aber die Stimme am Telefon hat gesagt, es sei wichtig, und man brauche nur eine halbe Stunde. Es klopft, und vor Milans Studiotür steht ein sehr fetter Mann mit einer sehr kleinen Ukulele.

imageDer fette Mann beugt sich zum Mikrophon hin und sagt: »’Kay, this one’s for Gabby.« Und singt: »Oooooo - somewhere over the rainbow...« aus »The Wizard of Oz«. Der Toningenieur hinter seinem Studiofenster spitzt schon nach den ersten Takten die Ohren: der riesige Mann mit der winzigen Ukulele und der wunderschönen Stimme singt diese alten Hollywood-Showtune, ganz zärtlich, traurig und melancholisch, und optimistisch, voller Hoffnungen und Möglichkeiten. Mittendrin wechselt der fette Mann zu »What a Wonderful World«, dem Song, den Louis Armstrong berühmt gemacht hat, pfuscht ein bißchen beim Text, ändert ein paar Akkorde, aber es macht nichts, es passt. Dann steht der Mann auf, sagt »Ich bin müde«, nimmt seine Ukulele und geht nach Hause. Eine Stimme, eine Ukulele, ein Take.

Der fette Mann hat diesen Song nur einmal aufgenommen, in jener Nacht im Studio von Milan Bertosa. Der Song wandert aus dem Studio in die Radiosender, in die Bars von Hawaii. Viele hörten darin einen anderen, verborgenen Song, der von der Traurigkeit und der Hoffnung der Hawaiianer erzählt nach der illegalen Annektierung ihres Landes durch die USA im Jahre 1898. Eines Tages spielt der Radiosender Santa Monica KCRW den Song, der Filmroduzent Martin Brest kauft die Rechte für »Meet Joe Black«. Andere Produzenten benutzen ihn, für »Finding Forrester«, »The Big Bounce«, für Emergency Room«, »Providence« oder »Charmed«.

So kam er dann nach Europa, zu uns. Karl brachte ihn mit und sagte »Wenn du davon keine Gänsehaut bekommst, bist du klinisch tot«. Weihnachten 2002 taucht er zum ersten Mal bei IT&W auf, hilft Dr. Green ins Jenseits, rutscht mit uns in das Jahr 2004, erobert die Old Fart MP3 Competition, den iTunes Music Store, geht verloren und wird wiedergefunden und taucht schließlich Anfang diesen Jahres in Steve Jobs’ Keynote auf.

Der fette Mann endete jedes seiner Live-Konzerte mit den Worten »My name is Israel Kamakawiwo’ole, I am Hawai’ian«. Er starb heute vor acht Jahren, am 26. Juni 1997, im Alter von 38 Jahren. Aloha, Iz, »Somewhere over the Rainbow«.

Quelle: sfgate, thanks to Ulrich van Stipriaan  |  by majo |  19:01 Uhr  |  24x Senf , 5622x besichtigt |   aus: One for the Night   |   Permalink  |

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